Wer kennt sie nicht, die Aufforderung, man möge einer Firma/Geschäft/Einrichtung/Konzern seine Meinung mitteilen – positiv wie negativ. Genau eine solche Beschwerdestelle soll jetzt für die Polizei eingerichtet werden. Komisch nur, dass ein so wichtiger Teil einer Gesellschaft – die Polizei – sich jetzt dagegen wehrt, dass sie Rückmeldung von denjenigen bekommen soll, deren Sicherheit sie aufrecht erhalten soll – dem Volk selbst.


Wie im folgen Artikel nachzulesen ist, benötige die Polizei – frei nach dem Motto: Es gibt keine Probleme, warum also neine Beschwerdestelle? – keine solche Einrichtung. Ich dachte immer, Polizisten sind auch nur Menschen und wo es menschelt, da passieren auch einfach mal Fehler. Grundsätzlich ja nicht weiter schlimm. Aber falls doch mal etwas daneben geht, ist es doch eigentlich positiv, wenn man den Vorfall schnell und gütlich aus der Welt schaffen kann. Wenn sich die Beschwerdebearbeiter langweilen sollten, umso besser für die Polizei. Stattdessen wird vorgebracht, eine Beschwerdestelle würde dem Misstrauen gegenüber der Polizei Vorschub leisten. Hmm, ich wüsste nicht, warum ich – nur weil es eine entsprechende Stelle gibt – auf einmal gegen Gott und die Welt misstrauisch werden sollte. Bin ich irgendwie komisch?


Witzigerweise ist die Kritik damit aber nicht zu Ende. Die Beschwerdestelle unterwerfe die Polizei einem "Generalverdacht". Mal kurz nachgedacht: die Polizei/Sicherheitsbehörden haben Zugriff auf mein Konto, wissen wann ich wo auf nder Autobahn unterwegs war, können über Vorratsdatenspeicherung meine Internetaktivitäten nachlesen, können damit weiter über mein Handy meinen Standort und Bewegungsprofil auslesen usw. All diese Daten sind natürlich nötig und unabdingbar, um eine (abgesehen davon niemals erreichbare) absolute "Sicherheit" zu schaffen – aber  das ist doch um alles in der Welt kein Generalverdacht gegen den Bürger. Jetzt soll eine simple Stelle geschaffen werden, bei der der Bürger unkompliziert seinem eventuellen Ärger Luft machen kann und das soll ein Generalverdacht sein??
Entweder ich (und wohl ein nicht unerheblicher Teil der jüngeren deutschen Bevölkerung) bin völlig paranoid ob der dann wohl nicht existenten "ich-schlittere-in-die-Überwachungsgesellschaft"–Situation oder die Maßstäbe haben sich extrem verschoben. Sollte der "Überwacher" jetzt auf einmal selbst in die (allerdings weit weniger umfassende) Situation kommen, dass man ihm auf die Finger schaut?

Hinter jedem Polizist steht auch ein ganz normaler Bürger. Vielleicht tritt demnächst der Fall ein, dass Polizisten von ihren eigenen Methoden erfasst werden, um zu merken, dass man selbst nicht vor Überwachung ausgeschlossen ist. Diesbezüglich fällt mir da ein in letzter Zeit oft zitierter Ausspruch ein: Wer nichts zu verbergen hat, kann sich doch auch ohne weiteres kontrollieren lassen. Oder etwa doch nicht?