In den letzten Tagen dominierte eine Meldung die Nachrichten, die den großen Energiekonzernen scheinbar direkt in die Hand gespielt hat: Ein Ansteigen der EEG-Umlage um 70%. Doch auch hier lohnt ein Blick hinter die Schlagzeilen.


Die 70% kommen zustande, weil die Umlage von 2,05 auf 3,5 Cent steigt. Eine Erhöhung von sage und schreibe 1,45 Cent! Die hören sich doch gar nicht mehr so spektakulär an wie 70%, oder? Selbst große Tageszeitungen verbreiten, dass nbei einem "Durchschnittshaushalt" mit 3500-4000 kWh/Jahr die Ausgaben um bis zu 73 Euro steigen werden, wobei die 73 Euro bei 5000 kWh/Jahr gerechnet sind!! Realitätsnähe??

Ich bezweifle ja schon, dass man nicht schon beim Verbrauch einiges reinholen könnte. Ich selbst verbrauche in einem 2-Personen-Haushalt keine 1300 kWh/Jahr inkl. großem Gefrierschrank (A++, 260 kWh/Jahr), PC, Fernseher, Wasch-/Spülmaschine und täglichem Kochen! Zugegeben: ich lege viel Wert auf stromsparende Geräte und Beleuchtung...
Und ohne diese Einsparungen werden wir den Umstieg so wohl nicht schaffen können! Dazu ist ein grundlegendes Umdenken bei jedem Einzelnen gefragt! Tendenzen dazu sind zwar schon sichtbar, es ist aber wohl wie beim Autofahren: Solange die Preise nicht hoch genug sind und die Leute jammern wird kaum einer auf die Idee kommen, dass man Energie sparen könnte und sie als wertvolles Gut ansieht... Somit müssen die Preise wohl leider weiter steigen, um zum Sparen anzuregen.

Eine andere Variante ist der Anbieterwechsel. Eine völlig willkürliche Abfrage einer Verbraucherportals (verivox.de, PLZ: 70173, Anbieter: EnBW, Tarif: EnBW Komfort, Stand: 21. Oktober 2010) ergibt eine Einsparung von 47,45%, absolut: 468,34 Euro (FlexStrom AG: DeutschlandsBest 12m)!!! Nun erklärt mir bitte mal jemand, wie man bei über 450 Euro Einsparung die Erhöhung der EEG-Umlage um 70 Euro kompensieren soll?!! (Achtung: Sarkasmus!) Sogar wenn ich den billigsten Ökostromanbieter aus der Liste nehme, bleibt eine Ersparnis von 35,27% bzw. 348,19 Euro pro Jahr (priostrom: prioNatur 12)! (ich habe das Ganze argumentativ mal ähnlich "einfach" dargestellt wie das sonst auch passiert) Da kann mir doch keiner erzählen, die Konkurrenz würde den Strom verschenken. Irgendwie müssen die Milliardengewinne der Großen ja herkommen!

Sehr interessant ist auch folgender Artikel zum Thema nSubventionen beim Atomstrom. Dort ist von 165 Milliarden Euro die Rede, die - bereinigt - von 1950 bis 2008 gezahlt wurde. Dabei ist die - immer noch offene - Endlagerung nicht mit eingerechnet! Und auch die Förderung der Nuklearforschung mit 41,2 Milliarden Euro im selben Zeitraum ist den Konzernen zumindest zugute gekommen. Der größte Posten ist jedoch der Wegfall der umfassenden Versicherungspflicht gegen Atomunfälle. Wer sich mit Versicherungen beschäftigt wird feststellen, dass die Folgen von Atomunfällen grundsätzlich nicht versicherbar sind (als privater Versicherungsnehmer für Policen jeglicher Art)! Dieses Risiko wird stillschweigend auf die Bevölkerung abgewälzt - warum nur?
Der Grund ist denkbar einfach: Atomstrom würde sich einfach bei einem Preis von bis zu 2,70 Euro pro Kilowattstunde(nicht Cent - Aussage von Greenpeace) nicht mehr lohnen! Ist es uns diese Risiko wirklich wert??

Zuletzt sollte man auch nicht außer Acht lassen, wie sich der nStrompreis überhaupt zusammensetzt (auch hier wieder der Querverweis zum Benzin/Diesel). Dabei fällt auf, dass nur etwa 37% auf die Stromerzeugung entfallen. Die so gescholtene EEG-Umlage beträgt unglaublich hohe 5,2% und die Öko-/Stromsteuer 8,8%. Alleine die MwSt und Konzessionsabgabe machen zusammen fast doppelt so viel aus wie EEG und Ökosteuer! Mit fast einem Viertel des Preises (24%) schlägt die Netznutzung zu Buche.
Hat eigentlich schonmal wer erwähnt, dass auf die EEG-Umlage zusätzlich auch Mehrwertsteuer fällig wird und der Bund deshalb zusätzlich etwa 500 Millionen Euro an Mehreinnahmen zu erwarten hat?


Wer bei dieser Faktenlage noch schreit, die Erneuerbaren Energien würden den Strompreis unerträglich in die Höhe schrauben sollte sich ganz schnell ganz fest an der eigenen Nase packen! Alleine durch einen Anbieterwechsel ist der Aufschlag um über 500% kompensierbar (70 Euro höher gegen ca. 460 Euro weniger, also 460-70 = 390€ Ersparnis, bezogen auf 70€: 390/70 = 557%!)

Nicht die "Anderen" müssen's erstmal richten - jeder selbst ist gefragt - frei nach dem Motto: Kleinvieh macht auch Mist!


Siehe auch: