Wir brauchen ein vernünftiges Energiekonzept, darüber besteht Einigkeit denke ich. Wenn wir den Umbau auf Erneuerbare Energien wollen, dann müssen wir uns aber auch mit den Begleiterscheinungen arrangieren!


Wenn wir die Atomkraftwerke auf mehr oder weniger lange Frist verbannen wollen, dann starten wir größere strukturelle Umwälzungen in unserem Land. Es ist nicht realistisch, dass einfach nur die AKWs verschwinden, sich aber sonst nichts ändern sollte. Dass die aktuelle Situation bzw. auch das aktuell geplante Energiekonzept nicht besonders prickelnd ist, habe ich schon mehrfach versucht aufzuzeigen (Energiekonzept: Äußerst zweifelhafte Argumente und fatales Signal, Energiekonzept: Regenerativ vs. Kernenergie, Gorleben und kein Ende?, Gefährdungsatlas von AKWs veröffentlicht). Wenn wir die Energieversorgung in Deutschland derart umwälzen wollen, dann muss folglich zwingend ein Gutteil unserer Infrastruktur entsprechend angepasst werden. Und dazu gehören Kraftwerke, (Überland-) Leitungen, Wind- und Solarparks, Blockheizkraftwerke, Biogasanlagen, (Pump-) Speicherkraftwerke usw. Dabei ergeben sich durch die daraus resultierende Dezentralisierung mehrere Vorteile. Zum Einen ist das das Aufbrechen des Oligopols der 4 großen Energiekonzerne in Deutschland, wodurch es wahrscheinlich zu merklichem Wettbewerb kommen sollte. Zum Anderen gewinnt ganz Deutschland an Ausfallsicherheit, was seine Stromerzeugung betrifft. Wenn man diesen Punkt sabotieren möchte, greift man zu allererst die größten Einrichtungen an. Fehlt es aber an zentralen Angriffspunkten, wird es schwierig, gleichzeitig eine Vielzahl von Stellen lahm zu legen. Eine Dezentralisierung (nicht nur) dieser Infrastruktur scheint im Übrigen inzwischen mehr als geboten!

Ich habe ein gewisses Verständnis, wenn Leute dagegen demonstrieren, dass bestimmte Projekte in ihrer unmittelbaren Umgebung gebaut werden. Doch darf man hier das höhere Ziel nicht aus den Augen verlieren. Manchmal muss man sich einfach fragen, ob die nukleare Bedrohung (im zivilen Sinne), die ganze Landstriche zur Todeszone werden lassen kann, nicht schwerer wiegt als (beispielsweise) 2 Tierarten, die wegen eines Speicherkraftwerks im schlimmsten Fall ihren Lebensraum verlieren würden.
Es geht mir nicht darum zu verteidigen, dass rücksichtslos die Natur kaputt gemacht wird! Doch wie meistens geht es um einen Kompromiss. Und wenn mit diesem Opfer die Bedrohung von Millionen von Lebewesen inkl. der dort lebenden Menschen verschwinden wird, dann ziehe ich diesen Weg vor.

So kontrovers die Diskussion aktuell um das Pumpspeicherkraftwerk in Atdorf (Hotzenwald) geführt, können wir nicht "nein" zu AKWs aber auch "nein" zu notwendiger Infrastruktur und ausgleichenden Anlagen sagen. Zugegeben bleibt das Dilemma, dass die (Wasser-) Pumpspeicher meist in bergigen Regionen - also im Süden - sein werden, ein merklicher Anteil am Strom allerdings im Norden per Windparks erzeugt wird.

Ein ähnliches Problem sind lokale Biogasanlagen und Blockheizkraftwerke. Diese Anlagen sind hocheffizient, da sie auch die Abwärme nutzen können, die bei der Verbrennung entsteht. Auch wenn sie optisch oft kein Augenschmauß sind, sind sie doch ein unverzichtbarer Bestandteil eines ernst zu nehmenden Energiekonzeptes. Es gibt immer einen Grund, warum eine solche Anlage nicht an Standort XY sein soll/darf. Trotzdem muss sich jeder darüber im Klaren sein, dass wir diese Anlagen brauchen und ein Ablehnen ein kleiner Mosaikstein ist, der den Umstieg behindert oder verzögert (falls kein Alternativstandort vorgeschlagen wird).


Es geht insgesamt um ein sehr ehrgeiziges und ambitioniertes Projekt. Es wird Deutschland ein anderes Gesicht geben. Dabei sage ich ganz bewusst "anderes" und nicht etwa "schlechteres"! Es wird viele Umwälzungen geben und jeder muss dabei seinen Teil dazu beitragen - ganz egal wie er aussieht. Ob sich das im Blockheizkraftwerk oder der Windturbine um's Eck oder in verringertem Energieverbrauch jedes Einzelnen äußert. Das Ziel ist jedoch (über-) lebenswichtig: Ein Ende des Raubbaus an der Natur!