Wissenschaft vs. Lobby - die Politik muss entscheiden, wem sie mehr vertraut. Leider gibt es immer wieder weitreichende Entscheidungen, die erst durch Lobbyvertreter in eine Richtung beeinflusst werden, später von wissenschaftlichen Fakten widerlegt wurden. Doch bis dahin haben viele Menschen und/oder die Natur schon viel darunter gelitten.


Es gibt viele Fälle, in denen die wissenschaftlichen Fakten unbestritten waren und sind - aber nur innerhalb der Forschergemeinde. Die Wissenschaftler waren und sind sich mit überwiegender Mehrheit sicher. Trotzdem wurde und wird von Lobbyvertretern etwas anderes behauptet. Meistens folgt deren Argumentation dem Motto "Der Zweifel ist unser Geschäft". Es wird (leider sehr oft erfolgreich) versucht, die einhellige, wissenschaftliche Meinung bei der Bevölkerung in den Medien in Zweifel zu ziehen. Es wird das Bild der nFakten völlig verzerrt dargestellt. Im Nachhinein betrachtet stellt man sich die Frage, warum das ganze so ablaufen hat können, denn die Fakten waren und sind bekannt! So gut wie jeder hätte die Möglichkeit, selbst an den richtigen Orten die objektiven Fakten nach zu lesen und diese Behauptungen entlarven können.

Ich möchte anhand von vier Beispielen aufzeigen, wie diese Verflechtung von Lobby und Politik aussieht und welche Folgen sie hat. Im Nachhinein gedrehte Filme oder Dokumentationen zeigen oft das ganze Ausmaß, die Argumentation und die Folgen, unter denen viele Menschen oder die Umwelt zu leiden hat.

  • Ein inzwischen abgeschlossenes Kapitel ist das Thema Rauchen und Krebs. Lange Zeit abgestritten sind die Fakten heute unumstößlich. Die perfide Masche der Beeinflussung wird z. B. in "Thank you for smoking" erschreckend aufgezeigt.

  • Ein anderer rücksichtsloser Fall, bei dem die wissenschaftliche Faktenlage noffensichtlich ist, ist die Beeinflussung der amerikanischen Regierung und indirekt damit auch der ganzen Welt durch das Thema genmanipulierte Pflanzen und Tiere (GVOs). Obwohl der Anbau in Deutschland verboten ist, finden sich auch hier immer mehr veränderte Anteile im Saatgut. Das ist wenig verwunderlich: Wenn Sand aus der Sahara bis nach Europa getragen werden kann, schafft das auch Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen. (In Deutschland gilt ein lächerlicher Mindestabstand zwischen Versuchskulturen und unveränderten Pflanzen von 150 Metern!) Deshalb werden sich - einmal in die Umwelt entlassen - die GVOs über die Welt zu einem riesen Freiluftexperiment verteilen. Die Dokumentation "Monsanto - Mit Gift und Genen" zeigt die unglaubliche Beeinflussung der Regierungen, die Methoden gegen Wissenschaftler und die Firmenphilosophie von Monsanto.

  • Ein weiteres Freiluftexperiment ist das Thema Klimaerwärmung. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Al Gore zeigt in "Eine unbequeme Wahrheit", wie die wissenschaftlich inzwischen unbestrittenen Fakten von der Lobby in Zweifel gezogen werden. Es wurden über 900 wissenschaftliche Artikel noch einmal hinsichtlich ihrer Aussagen überprüft und kein einziger bezweifelte (schon 2005) eine antropogene Veränderung des Weltklimas. Der Prozentsatz von zweifelnden Zeitungsartikeln betrug dagegen 53%! Kein Wunder, dass die Menschen glauben, es gäbe den Klimawandel nicht und man müsste nichts dagegen unternehmen...

  • Auch bei der Atomenergie sind die Fakten bis dato zumindest einigermaßen klar. Die bisherigen Unfälle sprechen Bände, die Anzahl von "kleineren" Störfällen in Deutschland und Europa ist immens. Trotzdem wird ganz bewusst darauf verzichtet zu testen, ob eine unglückliche Verkettung einzeln beherrschbarer Vorfälle sich zu einem unkontrollierbarem GAU ausweiten könnte - Einzelereignisse gibt es ja zur Genüge. Gestern erst wurde der eigentlich geforderte Stresstest für Kernkraftanlagen von der EU deutlich "entschärft". Und auch die Ethik-Kommission scheint fest in der Hand von Lobbyisten zu sein.


Eins der meistens vorgebrachten Argumente ist, man müsste sich zwischen Wohlstand und (Umwelt-) Schutz entscheiden, also Wachstum und Einklang mit der Natur gegeneinander abwägen. Für mich ist dieses Argument nicht nur nicht plausibel, sondern schlicht falsch. Einfachstes Gegenargument: wenn wir unsere Umwelt/ Erde zerstören, ist der Begriff "Wohlstand" nicht mehr relevant. Der Weg dorthin führt über viele Gradationsstufen. Will heißen: wenn wir unsere Umwelt nur "ein wenig" zerstören, leiden wir auch jetzt schon zu einem gewissen Teil darunter. Diese Effekte sind aber hochgradig nicht-linear, sodass man nicht einfach zwischen den 2 Extremen interpolieren kann. Plötzliche Zustandswechsel, die ohne Vorankündigung auftreten und viel größere Auswirkungen haben als gedacht, können auch jetzt schon beobachtet werden.
Sieht man sich die Auswirkungen an, die durch die bisherigen Schäden entstanden sind, dann stellt man fest, dass z. B. die Versicherungsbranche heute schon ein Vielfaches an Schadenssummen bezahlen muss wie noch vor 25 Jahren. Ganz zu schweigen von Überflutungen, Wirbelstürmen, Ernteeinbußen usw. Die großen Rückversicherer wie die Münchner Rück zum Beispiel investieren deshalb gezielt in Umweltschutz.


Alle diese Effekte zeigen uns schon heute, dass wir uns nicht für Wohlstand entscheiden können, wenn wir die Umwelt unbeachtet lassen. Wir können nur im Einklang mit ihr leben und wir werden ein Vielfaches an Wohlstand und Lebensqualität gewinnen, wenn wir endlich begreifen, dass wir beides gleichzeitig haben können - wir haben langfristig sogar keine andere Wahl. Doch das heißt, dass wir unser Verhalten deutlich, zum Teil grundlegend ändern müssen. Da aber der Mensch sehr bequem ist, sehr gerne "nicht bei mir" schreit und es Firmen gibt, die mit der aktuellen Situation sehr viel Geld verdienen, ist das nicht ganz einfach...

Viele Menschen werden immer wieder unter diesen Beeinflussungen leiden. Auch unser reiches Land bedroht der Klimawandel, schädliche Folgen des unumkehrbaren Eintrags von Gentechnik in unsere Umwelt - ganz zu schweigen von atomaren Gefahren. Warum wehren wir uns nicht mehr, es geht um unsere eigene Haut! Lassen wir uns nicht von Zweiflern einlullen, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse verharmlosen; von Personen, die meist zwischen Schlüsselpositionen in der Wirtschaft und der Politik wechseln, deren "Meinung" meist sehr offensichtlich ist und direkt vom Gehalt des Unternehmens abhängt!


"Jeder ist selbst Teil des Problems, also auch Teil der Lösung" (Zitat Al Gore, "Eine unbequeme Wahrheit"). Dem ist nichts hinzuzufügen.


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