Die Katastrophe in Fukushima hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie unglaublich und unabschätzbar die Folgen eines Atomunfalls sind. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir solches Leid als Risiko für unsere energetischen Eskapaden in Kauf nehmen wollen oder nicht. Unser Umgang mit Energie muss ein ein anderer werden - je früher desto besser!

Das was wir in Fukushima sehen, ist nicht mehr das, was Auslegungsstörfall ( numgangssprachlich GAU) genannt wird. Auch wenn man GAU eigentlich nicht mehr steigern kann, so muss man das für Japan tun und es Super-Gau nennen, denn dieser Störfall kann ebenso wie in Tschernobyl eben nicht mehr kontrolliert werden. Man ist den Vorgängen im Reaktor mehr oder weniger hilflos ausgeliefert, wie die spärlichen Informationen aus Japan heute wie vor 25 Jahren zeigen. Wären Fortschritte im Kampf gegen die Verseuchung zu verzeichnen, sie würden so schnell wie möglich an die Öffentlichkeit gelangen. Die aktuelle Informationspolitik legt eher nahe, dass die Situation noch gravierender ist, als öffentlich zugegeben!

Ich möchte versuchen, die Problematik Kernenergie im Allgemeinen und das Thema Energie und ihre Gewinnung im Überblick sowie einige Details möglichst umfassend zu beleuchten. Denn sowohl ohne großes Konzept, als auch ohne durchdachte Lösungen im Einzelnen wird eine zwingend notwendige Umstellung unserer Energieversorgung und ein Umdenken bei den Menschen in Richtung regenerative Energien zwar nicht scheitern, aber zumindest sehr holprig werden können.



Problem Kernkraft

Grundsätzlich ist so eine Katastrophe auch bei uns jederzeit möglich. Wenn die entsprechenden Umstände eintreten, kann auch bei uns ein Reaktor außer Kontrolle geraten. Denn es gibt auch in Deutschland und Europa Reaktoren, die zum AKW in Fukushima baugleich sind, d.h. die selben grundsätzlichen Probleme haben - sogar von Konstruktionsmängeln ist die Rede. Es handelt nsich dabei um die Baureihe 69, welche von der Kraftwerk Union und General Electric gebaut wurde. In Deutschland gibt es noch 4 Meiler dieses Typs (Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1 sowie Krümmel), welche durch die Vorkommnisse in Japan stillgelegt werden sollen. Schon seit 1971 (!) ist bekannt, dass die Sicherheitssysteme möglicherweise nichts taugen. In diesem Licht sind Forderungen, dass (auch dieser Typ) AKWs 60 Jahre Laufzeit haben soll den Opfern der Katastrophe gegenüber reiner Hohn! Nur weil bei uns bisher nichts passiert ist - korrigiere: keine Katastrophe ngeschehen ist, Störfälle gab es ja schon genug - kann man nicht sagen, unsere AKWs seien sicher oder sicherer. Der (Super-) GAU, der schon rein statistisch irgendwann eintreten muss, hat uns bisher einfach verschont! In Spanien steht ein ebensolches AKW sogar in einer Erdbebenzone (siehe unten)!
Das große Risiko für Deutschland sind wohl nicht Erdbeben oder Tsunamis, obwohl auch bei uns 1/3 der Meiler in (deutschem) potentiellen Erdbebengebiet liegen, sondern - ebenso wie in Japan - ein Versagen des Kühlsysteme. Diese müssen mindestens 120 Tage nach dem Abschalten stabil weiterlaufen, da die Brennstäbe in dieser Zeit noch sehr viel Restwärme produzieren. Daraus schließe ich, dass derartige Gefahren noch realer sind, als bisher gedacht. Hierzulande scheint diese Gefahr ebenso wie in Japan völlig unterschätzt zu sein! Auch sind unsere AKWs kaum gegen eventuelle, wie auch immer geartete Bedrohungen geschützt. Und wie man jetzt in Japan deutlich sehen kann, muss nicht das Containment (zu deutsch Sicherheitsbehälter) beschädigt werden - es genügt schon die Kühlsysteme zu beschädigen beziehungsweise die Abklingbecken unter dem Dach zu treffen. Diese sind oft deutlich weniger geschützt.


Problem Sicherheit & Kontrolle
In Japan wurden trotz besserem Wissen wichtige Dinge nicht unternommen - wie schaut es in Deutschland aus? So sicher wie oft behauptet sind auch unsere Anlagen wohl nicht und in der Vergangenheit sind sicherheitsrelevante Nachrüstungen, die EnBW bei Neckarwestheim sogar selbst vorgeschlagen hat, von der Politik als nicht notwendig erachtet worden. Warum sollte die Bevölkerung glauben, Sicherheit stünde an vorderster Stelle, wenn Maßnahmen als unnötig erachtet werden, die der Betreiber sogar selbst vorschlägt? Auch einschlägige Schäden - Risse in Kühlleitungen des Hauptkühlkreises - also Schäden, die eine Katastrophe wie in Japan auslösen können, wurden sehr schlampig behandelt. Auch gibt es eventuell nicht gemeldete Störfälle auch bei uns, die genau wie in Japan die Kühlung betrafen. Wie wurde bei uns mit Meilern verfahren, die dem selben Bautyp entsprechen?

Beim Thema Kontrolle scheinen die Verflechtungen weiter zu gehen als man meint. Da der Sektor Kernkraft relativ klein zu sein scheint, wechseln nicht wenige Personen zwischen Politik und Industrie - also zwischen Kontrolleur und Kontrolliertem - hin und her (Beispiel Gerald Hennenhöfer). Wen würde es da wundern, dass die Grenzen verschwimmen und das eine oder andere Auge zugekniffen werden könnte? Es scheint durchaus für meine These zu sprechen, dass der Bundesrechnungshof mehr Offenheit bezüglich der Rücklagen der Kraftwerksbetreiber für den Rückbau der Meiler fordert. Parallelen zur Verflechtung in Japan, die jetzt ans Licht kommt, scheinen gegeben...

Während den Dreharbeiten für eine Reportage im AKW Brokdorf kommt es zufällig zu einem Störfall. Die anwesende Schicht nkann weder sofort noch bis zum Ende des Drehs den Fehler überhaupt finden. Sind ungenügende Ausbildung und Schulung oder die Kernkraft als äußerst komplexes System per se nicht vollständig handhabbar?

Wieviele Unfälle sind eigentlich realistisch? Es gibt auf der Welt 443 Atomkraftwerke. Das Risiko, das für einen Unfall (kein Super-GAU) mit 10-4 Ereignissen pro Jahr angenommen wird (siehe auch unten), muss mit der Anzahl der Anlagen multipliziert werden, um auf die weltweiten Häufigkeiten für Vorfälle zu kommen. Das Ergebnis ist 0,0443 Ereignisse pro Jahr oder ein Unfall alle 22,6 Jahre... Vielleicht sind die bisherigen Rechnungen - besser Abschätzungen - falsch und das Risiko liegt viel höher? Vielleicht auch bei 0,87%?
Wieviele Menschen wären bei einem ähnlichen Vorfall wie in Japan bei uns betroffen? Eine interaktive Grafik bei Zeit Online zeigt die drastischen Ausmaße. Dabei könnte es sein, dass es bei uns zu einem größeren Chaos kommen könnte, sollten Informationen stimmen, nach denen hiesige Evakuierungspläne nur für 10km Umkreis bestehen, oder dass die Pläne an Bundeslandgrenzen halt machen. Und notfallmedizinisch ist man, so scheint es, auf eine größere Anzahl von Opfern überhaupt nicht vorbereitet.

Frau Merkel ist Physikerin - ihr muss ndie Realität und die Bewertung von Statistiken über Eintretenswahrscheinlichkeiten klar sein! Auch, dass mit Fukushima erstmal nichts anders geworden ist! Es ist nur der (Un-) Fall eingetreten, der schon immer eine endliche Wahrscheinlichkeit besaß! Wenn sie jetzt behauptet, die Situation hätte sich geändert, müsste ihr eigentlich ihr Physikdiplom aberkannt werden. Ihr Studium hätte sie dazu befähigen müsse.

Wolfgang Renneberg - auch Physiker und ehemaliger Leiter der Abteilung nReaktorsicherheit der Atomaufsicht - erzählt bei Maischberger von einem Fall in Brunsbüttel, bei dem eine Wasserstoff-Explosion Rohre zerstört hat. Dabei wurde das AKW trotz deutlichen Erschütterungen erst einen Monat später auf Druck der Aufsicht vom Netz genommen. Es stellte sich heraus, dass die Explosion, hätte sie sich an etwas anderer Stelle ereignet, ein Leck im Primärkreislauf hätte verursachen können, welches "unabsperrbar" gewesen wäre! Ebenso führt er aus, dass auch in Deutschland die selbe Wahrscheinlichkeit für eine große Kernschmelze (10-5 pro Jahr, auch angenommen in einem wissenschaftlichen Artikel mit Kosten-Nutzen Rechnungen zum Nachrüsten von Kernkraftwerken) angenommen wird in Japan. Wenn Herr Güldner, Atomlobbyist von E.ON, bei Maischberger sagt, unsere AKWs sind nicht unsicherer geworden hat er zwar recht. Nur sind Aussagen, deutsche AKWs seien sicherer, damit - gelinde gesagt - nicht haltbar! Die Kraftwerke stammen vom selben Hersteller und sind technisch sehr ähnlich wenn nicht identisch. Warum sollten sie also sicherer sein?

 

Auch in Japan war der Glaube an die mögliche technische Kontrollierbarkeit der Kernkraft grenzenlos und diese Art der Energieerzeugung deshalb so anerkannt - umso schlimmer das aktuelle Erwachen. Dies wurde auch durch die konsequente Vertuschung bzw. mangelnde Information und Verflechtung von Betreiber und Kontrolleuren begünstigt. Dabei hätte Japan ein großes Potential zur Nutzung Erneuerbarer Energien.



Folgen aus einem (Super-) GAU

Die schlimmste Konsequenz eines Super-GAUs ist eine Kernschmelze mit der großen Gefahr eines Schadens am Sicherheitsbehälter und dem dann quasi unvermeidlichen Austritt von Radioaktivität in Form von [ [Plutonium]], Iod, Caesium usw. Dieser Fall wurde inzwischen vom Betreiber Tepco eingeräumt und scheint bis heute nicht gestoppt. Doch trotz vieler oft auch schlecht geplanter und koordinierter Aktionen (ist ja auch kein Wunder bei diesen Zerstörungen) ist der Zustand des Reaktors immer noch so gut wie unbekannt - zumindest in der Öffentlichkeit. Die Brennstäbe scheinen immer noch die höchst gefährliche Masse namens "Corium" zu bilden, in den Boden zu gelangen und unkontrolliert die Umwelt zu verschmutzen, wie das auch 4 Wochen nach dem Unfall austretende Wasserstoffgas nahe legt.

Laut Edmund Lengner, Strahlenbiologe aus München, ist die Informations- und Katastrophenpolitik der Japaner gescheitert. Er geht davon aus, dass die Kernschmelze auch nicht durch menschlichen Eingriff zu stoppen ist. Dies wird durch die Deutung der vorhandenen Informationen gestützt. Woher sollte sonst die hohe Radioaktivität herrühren? Die Regierung gibt die Tragweite erst jetzt notgedrungen zu und hat deshalb den Unfall auf die höchste Stufe 7 der INES-Skala angehoben, auf der auch Tschernobyl angesiedelt ist.
Auch zwei Nachbeben der Stärke 7,1 und 7,0 auf der Richterskala haben die (Not-) Kühlsysteme in Japan an den Rand des Kollaps gebracht und zeigt, wie heiß dieses Spiel mit der Hölle doch ist.

Da durch die hohe Strahlung und die immensen Mengen an radioaktivem Wasser die Arbeiten sehr eingeschränkt sind, verzögern sie sich entsprechend. Da die Brennstäbe zusätzlich noch lange Zeit Wärme produzieren, wird es ein Kampf über Monate werden!
Doch auch dann ist nur die Kühlung erfolgt und die akute Gefahr gebannt. Wie in Tschernobyl wird es sowohl sehr lange (ca. 10 Jahre) dauern, "bis die Gesamtanlage sicher gemacht werden kann". Doch damit ist noch kein Endlager gefunden und weder das Gelände, noch das Umland wieder bewohnbar.

Speziell für Schwangere und Neugeborene sind die Folgen der Strahlung besonders gefährlich. Für sie wiegt das Risiko noch mehr. A propos Schwangere: In der Öffentlichkeit sind quasi nur Männer präsent. Man sollte auch mal Frauen zu Wort kommen lassen, ob sie die Gefahren und Folgen der Strahlung vielleicht anders einschätzen und ob sich damit ein anderes Bild der Stimmung ergibt.

Das "Radioactivity Measurements Laboratory" in Bremen ist übrigens eine gute Anlaufstelle für die Überwachung von Strahlung in der Umwelt. Sie hat eine Sonderseite zu Fukushima geschaltet, ebenso wie das Bundesamt für Strahlenschutz. Weitere Informationen über die Geschehnisse in Japan gibt es zum Beispiel bei Spektrum Direkt.


Atomkraft im Ausland

Es gibt zu Fukushima baugleiche AKWs auch in Europa, so zum Beispiel in Ungarn und Schweden. Auch Spanien hat welche, die sogar akut gefährdet sein könnten. Ein Erdbeben (AKW Cofrentes) bzw. das Brechen eines Staudamms, das das AKW Ascó laut einem Krisenszenario empfindlich treffen könnte, sind die Ereignisse, die sehr stark an Japan erinnern. In Ascó liegen 2 Störfälle - einer davon der Kategorie 2 der INES-Skala - vor, von denen der Schwerwiegendere erst ein halbes Jahr später gemeldet wurde, obwohl eine größere Menge Radioaktivität freigesetzt wurde! Die seit Japan offensichtlichen Probleme sind also auch für Europa gefährlich und sind zum Teil schon aufgetreten, wenn auch in bisher weniger schwerwiegendem Ausmaß. In Spanien macht die Regierung deshalb eine ähnliche Kehrtwende wie hierzulande. Eben noch wurde eine Laufzeitverlängerung beschlossen, jetzt sollen die Kraftwerke sicherheitstechnisch überprüft werden. Die treibenden Kraft ist wie bei uns die Angst des Machtverlustes bei den nächsten Wahlen. Wie sollte der plötzliche Sinneswandel sonst auch interpretiert werden? Herr Brüderle hat sich ja blöderweise verplappert. Verwunderlich in Spanien wie in Deutschland: Die Atomlobby beurteilt die AKWs als sicher - einen Flugzeugabsturz überstehen sie jedoch nicht...

Noch näher als Ungarn, Schweden und Spanien sind allerdings die AKWs Fessenheim im Elsass (Frankreich) und Temelín ( Tschechien) nahe Passau. Auch das Atom-freundliche und "erfahrene" Frankreich hätte laut Aussage der eigenen Atomaufsichtsbehörde einem Unfall wie in Japan nichts entgegen zu setzen. Ihr Präsident André-Claude Lacoste räumte ein, dass auch für französische Atomkraftwerke "eine Verkettung von Vorfällen" nicht berücksichtigt worden sei, wie sie sich in Japan mit Erdbeben und dem Tsunami ereignet haben. Entsprechende Notfallpläne existierten nicht. Im Klartext heißt das, das kein Land, egal wie hoch technisiert, gegen diese Art von Unfall etwas ausrichten könnte. Kühlmittelmangel, Strom- beziehungsweise Notstromausfall über längere Zeit und Anschläge oder Unfälle, die nicht den Sicherheitsbehälter betreffen, sind anscheinend nicht oder nicht ausreichend in die Auslegungsplanungen mit eingeflossen. Würden sie eintreten, hätten auch wir einen Super-GAU. Und dabei ist wahrscheinlich auch die Gefahr durch die abgebrannten Brennelemente im Abklingbecken nicht mit einkalkuliert, welche eine ebenso große Gefahr darstellen wie der Inhalt des Druckbehälters (siehe Block 4 von Fukushima). Darüber hinaus werden die Abklingbecken - mangels Endlager - als Lagerstätten "missbraucht", das heißt die Brennstäbe lagern darin oft deutlich länger als ursprünglich vorgesehen (Fukushima: 15 statt 5 Jahre), weshalb die Becken oft gut gefüllt sind.

Eine ganz andere Frage stellt sich mir beim Betrachten der Situation in Nordafrika und dem Nahen Osten. Was wäre falls es AKWs in Ländern gäbe, die in politischen Unruhen versinken - Libyen zum Beispiel? Was wäre, wenn Herr Sarkozy sein versprochenes Kraftwerk dort schon gebaut hätte? Was wäre jetzt damit? Wir könnten von einem Unfall, Sabotage, Anschlag oder Aufgabe des Meilers durch Kriegsgeschehen in unkontrolliertem Zustand und eventuell folgendem GAU genauso betroffen sein. Wer aber könnte beziehungsweise dürfte es Ländern "erlauben", AKWs zu bauen? Müssen wir nicht im Sinne unserer eigenen Sicherheit weltweit versuchen, die Nutzung der Kernkraft so weit wie möglich zu begrenzen (ebenso wie die Verbreitung von Kernwaffen, was eigentlich ein ganz anderes Thema ist, durch die Gemeinsamkeit "Kernspaltung" trotzdem irgendwie zusammenhängt)?!


Lehren aus bisherigen Unfällen

Hätten wir Schlüsse und Lehren aus den bisherigen Unfällen ziehen können (die ja auch alle "undenkbar" waren)? Jetzt, wo sich die Tschernobyl Katastrophe zum 25. Mal jährt? Ganz klar ja, wie ich finde. Denn sowohl die Vorfälle in Three Mile Island als auch in Tschernobyl sind im Prinzip ähnlich abgelaufen, zumindest was die Folgen betrifft: Austritt von Strahlung mit den weitreichenden Folgen der Strahlenkrankheit. Und die sind wohl viel häufiger, als bisher geglaubt, da sie nur sehr schwer in der Menge möglicher Auslöser zu identifizieren sind.
Auch bei den
Lebensmitteln oder der Gefahr, dass doch strahlendes Material bei uns ankommt, kommt mir das Eine oder Andere bekannt vor - die Parallelen zu Tschernobyl sind teils frappieren. Ebenso wie in Tschernobyl werden gewisse Landstriche für sehr lange Zeit nicht mehr bewohnbar sein und sehr viele Menschen darunter leiden müssen. Doch auch jetzt wieder beziehungsweise immer noch ist die Gefahr in Tschernobyl aktuell. Der Sarkophag ist ausgelegt bis 2016 zu halten - keinen Tag länger wie es scheint. Dies wird auch für Japan gelten, da die Strahlung jedem verwendeten Material zusetzt und regelmäßige Sanierungen nötig macht - ein Geldschlucker und Gefahrenpotential für lange Zeit.

In Japan ist das Risiko für drei
andere AKWs noch größer als das in Fukushima. Das Kernkraftwerk Hamaoka] ] steht dabei an einem Punkt, an dem sogar drei tektonische Platten aneinanderstoßen. Dieses ist mit 173km noch näher bei [[Tokio als Fukushima. Eine tickende Zeitbombe im durch die Plattentektonik so betroffenen Japan.

Es gibt wiederkehrende These, die von Atombefürwortern oft gebraucht werden. Diese gaukeln vor, dass die Atomkraft scheinbar zum Leben/srisiko gehört und deshalb "unvermeidbar" ist. Was steckt eigentlich hinter diesen Aussagen? Oder ist es nicht vielmehr die Frage, ob wir uns dieses Risiko generell antun wollen? Oder geht's doch wieder nur um's Geld?

Man hätte also aus den bisherigen Zwischenfällen und Katastrophen lernen können, falls man wollte. Doch offensichtlich wollte und will man nicht. Und falls dann bei uns - ich möchte es auf keinen Fall herbeireden - doch ein Unglück geschehen sollte, dann sind alle wie vom Donner gerührt und alle werden sagen: "So etwas hat doch niemand vorhersehen können - unsere Kraftwerke waren doch die sichersten der Welt". Ich möchte das nie einen Politiker sagen hören müssen!



Gesellschaft & Gesundheit

Die Konsequenzen, die nötig sind, sind vor allem eine unabhängige Kontrolle der Atomenergie bis zum endgültigen Ausstieg durch den Staat, also mittelbar durch die Bevölkerung. Dabei müssen die Regeln vollständig transparent gehalten werden, da vor allem hier der Bürger wieder zum " Wutbürger" werden könnte... Die Bevölkerung ist meiner Ansicht nach völlig unzureichend über die möglichen Folgen aufgeklärt und scheint sich das immer weniger bieten zu lassen. Dieser Punkt betrifft potentiell sehr viele Menschen, und die haben immer öfter das Gefühl, diese Gefahr erdulden zu müssen, ohne sich wehren zu können.
Die Aufklärung ist ein Punkt, der in einer wissenschaftlichen Untersuchung von 1990 zur Akzeptanz des atomaren Risikos in der Bevölkerung unter die Lupe genommen wird. Es wird dabei auf die Bedeutung von allgemeinen Aussagen über das "abstrakte Risiko" eingegangen und dadurch, dass dieses abstrakte Risiko seit den 1970er Jahren im wörtlichen Sinne "berechenbarer" in der Bedeutung von Risikorechnungen wurde (auch wenn in diese Rechnungen immer Annahmen eingehen, die mehr oder weniger weit von der "Realität" entfernt sein können). Für die Akzeptanz dieser Art der Stromerzeugung wird also vorgeschlagen, dass das Risiko für einen "major civil nuclear accident" auf "1 in 10'000 per annum for the entire UK programme of modern nuclear reactors" (dt.: 1 großer, ziviler Atomunfall pro 10'000 Jahre für das ganze, moderne Atomprogramm Großbritanniens) festgelegt wird. Diese Zahl ist eine Abschätzung, wie sie generell für die Bewertung von noch tolerierbaren Risiken angenommen wird. Das angenommene Risiko gelangte also in realistische Reichweite, da es sich von nicht relevant in denkbar wandelte (genau diese Aussagen hört man jetzt von Frau Merkel und Co. auch...). Die Bevölkerung wurde dadurch kritischer und war weniger von der Kernkraft überzeugt, da das Risiko "greifbarer" wurde. Es begann eine Diskussion über das "akzeptable Risiko", das man für die Energieerzeugung einzugehen bereit war.

Die "Aufklärung" über die durchaus sehr realen Folgen wurde uns in Japan äußerst drastisch vor Augen geführt. Ich sehe da durchaus eine Parallele zu der obigen Untersuchung. Nur dadurch erklärt sich mir der (scheinbar) riesen Stimmungsumschwung nach Fukushima. Die Frage könnte auch sein, ob eine latente Abneigung der Kernkraft es einfach wieder auf die Straßen geschafft hat. Die Folgen sind medial sehr präsent und es wird auch immer nachdrücklicher um Transparenz und um Informationen seitens der Bevölkerung und der Medien "gekämpft". Immer mehr Informationen werden durch die Bürger selbst gesammelt und können frei eingesehen werden. Dabei werden auch immer mehr Leute auf die realen Auswirkungen auch schon während des regulären Betriebs aufmerksam und beginnen zu überlegen, ob sie auch schon dieses Risiko eingehen wollen (erhöhtes Leukämierisiko rund um AKWs, vor allem bei Kinder unter 5 Jahren). Für mich ist diese Entwicklung in diesem Lichte gesehen daher logisch. Falls in Zufunft die Risiken noch deutlicher und in ihrer Eintretenswahrscheinlichkeit besser einschätzbar jedem zugänglich werden, wird sich die Stimmung weiter verändern.

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Verbrauch & Akzeptanz

Den Menschen muss klar gemacht werden, dass ein Umdenken hinsichtlich des Energieverbrauchs unumgänglich ist. Dabei muss sowohl die Elektrizität als auch die Mobilität einbezogen werden. Und jeder muss sich selbst die Frage stellen, wie viel Geld man bereit ist zu zahlen, um kein Kernkraftwerk im Land zu haben. Dabei ist sogar fraglich, ob es zwingend zu Mehrkosten kommen wir, auch wenn genau das von vielen verbreitet wird. Gegenteilige Effekte werden dabei oft unterschlagen und nicht an den Endkunden weitergegeben, genauso wie (wirtschaftliche) Zusammenhänge einseitig dargestellt werden. Mit selektiver Information kann man auch Stimmungen schüren. So liefern die Erneuerbaren an sonnigen Tagen regelmäßig so viel Strom, dass die Preise an der Strombörse negativ werden - wir produzieren mehr Solarstrom als wir in diesem Moment verbrauchen. Doch das wird stillschweigend fallen gelassen.

Weiter gibt es auch die konventionellen Energieträger nicht zum Nulltarif. Wenn die Rohstoffpreise weiter so steigen (was so zu erwarten ist), sind Regenerative Energien den bisherigen Energieträgern sehr bald preislich deutlich überlegen - sprich billiger. Schon jetzt kennt der Ölpreis nur eine Richtung. Und da wir quasi im "Oil Peak" sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es wieder billiger wird. Jetzt vor den Regenerativen zu warnen und sie zum "Wirtschaftskiller" zu stilisieren scheint also eher ein Hinweis zu sein, dass der/die Außernde sehr kurzfristig denkt und Weitblick vermissen lässt. Hier ist langfristiges Denken gefragt - auch im Sinne der Wirtschaft!
Ebenso sind bisher zum Beispiel die Umweltschäden nicht im Preis enthalten, die durch Umweltverschmutzung, gesundheitliche Folgeschäden usw. indirekt auf die Allgemeinheit umgelegt werden. Dadurch werden die wahren Kosten deutlich verzerrt und die Mär vom "billigen Atomstrom" lebt weiter. Wenn man dann die staatlichen Subventionen heranzieht, dann errechnet sich ein ganz anderer Preis (Subventionen Atomenergie: 196 204 Mrd. Euro, Erneuerbare Energien: 39 Mrd. Euro). Weitere 100 Mrd. Euro kommen wohl auf alle Fälle hinzu. Doch alleine mit den bisherigen Zahlungen, umgelegt auf die Strom, würde der Atomstrom um 4,3 Cent teurer sein als aktuell. Wenn die Haftung mit einbezogen würde, wären wir laut Greenpeace bei deutlich über 2 Euro. Ein vom Bundesministers für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Auftrag gegebener Welt-Statusreport zur Atomindustrie von 2009 liest sich auch sehr spannend - auch zum Thema "geschützter Markt" hinsichtlich der Kernenergie.
Zu einer großen Preissteigerung durch die Abschaltung der durch das Moratorium betroffenen Meiler wird es trotz Unkenrufen wohl auch nicht kommen, da sie mit ca. 5GW Stromerzeugung einen verschwindenden Anteil an den in Deutschland benötigten 80GW haben und somit kein "Stromengpass" zu befürchten ist, da andere (Kern-) Kraftwerke dafür hochgefahren werden (können). Paradoxerweise geht dies sogar aus dem Gutachten hervor, dass die Regierung vor einem halben Jahr als Begründung für die Laufzeitverlängerung präsentiert hat. Auch ein Neubau von Kohlekraftwerken scheint nicht nötig und ist hinsichtlich des CO2-Austtoßes kontraproduktiv. Das Argument, Deutschland müsste jetzt von den "unsicheren ausländischen Kernkraftwerken" (mehr) Strom importieren ist nachweislich der Propaganda geschuldet. Deshalb ist es wichtig, erst recht den Ausstieg zu forcieren.

Wie groß ist die Akzeptanz der Kernenergie in der Bevölkerung aber wirklich? Gibt es Differenzen zwischen Politik und Gesellschaft? Ist die Wirtschaft vielleicht treibende Kraft, da sich mit Kernkraft sehr viel Geld verdienen lässt (1 Million Euro pro AKW pro Tag!)? Wenn ja, was wären die Gründe, dass die Politik eventuell über die Menschen hinweg an der Kernkraft festhält? Seit den 70ern gibt es eine fast ununterbrochene Anti-Atom Bewegung, die nur zwischen etwa dem Jahr 2000 und der Verlängerung der Laufzeit abgeschwächt war, weil der Ausstieg als Partei übergreifender Konsens beschlossen war. Es war ein Kompromiss, den das Parlament beschlossen hat dessen Zustimmung in der Bevölkerung ich aus dem Rückgang der Demonstrationen ableite. Dies wäre ein deutliches Zeichen gewesen, welches man durchaus hätte deuten können.

Energie war bisher generell zu billig, auch da die Folgen (ganz bewusst?) nicht beachtet wurden. Jetzt werden sie uns umso deutlicher und spätestens jetzt müsste allen klar werden, welche Konsequenzen unser Handeln hat! Energie ist wertvoll und muss ebenso gehandhabt werden - früher oder später werden es die Menschen wohl im Geldbeutel spüren, dass man Energie nicht leichtfertig verschwenden darf! Es sollte also das Interesse jedes Einzelnen sein, sein Verhalten zu überdenken. Denn wenn wir nicht schnellst möglichst den Umstieg schaffen, kann uns das in naher Zukunft sehr teuer kommen! Das kann zum Einen daher kommen, dass unsere Energieversorgung anders gewährleistet werden muss. Der Preis wird andererseits aber auch bei einem Festhalten steigen, da die bisherigen Energieträger durch die anhaltende Nachfrage auf dem Weltmarkt teurer werden - sowohl Öl, Gas als auch Uran. Wenn wir unseren Verbrauch senken, was absolut zwingend nötig ist, dann wird Energie mehr geschätzt werden und die effektiven Ausgaben der Haushalte für Strom und Umstieg können sehr wahrscheinlich sogar verringert werden, wenn wir umsteigen. Schon jetzt sind einige Ökostromanbieter um 35% billiger als konventionelle Anbieter! Es besteht also mit Regenerativen Energien durchaus das Potential zum Sparen!

Durch Offenheit (die sicher nicht von den gerade gut verdienenden Schwergewichten kommen wird) und Aufklärung muss Akzeptanz bei Bevölkerung geschaffen werden, damit der dringend nötige Ausbau möglichst schnell erfolgen kann. Die Kosten dieses Umbaus erhöhen hoffentlich auch das Bewusstsein, dass wir unser Verhalten ändern müssen, sollten wir es mit dem Umstieg auf Regenerative Energien ernst meinen. Ändern heißt dabei nicht zwingend, dass wir verzichten müssen. Man kann auch durch den Einsatz sparsamerer Geräte sehr viel Energie sparen - Stichwort Effizenz. Es ist zwingend nötig, dass wir unseren gesamten Energieverbrauch senken! Dadurch können wir den Ausstieg schneller meistern. Die bisherigen Hochrechnung verschiedenster Art gehen von konstantem Verbrauch aus - das ist nicht realistisch, da die Verringerung des Verbrauchs absolut notwendig ist!
So ließe sich zum Beispiel durch den Austausch aller bisherigen, alten Umwälzpumpen in Gebäudezentralheizungen ein komplettes AKW einsparen, ohne dass jemand auf irgend etwas verzichten müsste! Energie einsparen ist deshalb ein genauso bedeutender Faktor in den Hochrechnungen und Modellen und sollte entsprechend berücksichtig werden. Allerdings wird er von Gegnern ausgespart, da sich damit erstens angeblich höhere Kosten für den Ausstieg errechnen lassen, die auf die Bevölkerung abschreckend wirkt und zweitens wird weniger Strom verbraucht werden, wenn die Effizienz und Einsparungen in den Vordergrund gestellt werden. Und weniger Verbrauch heißt potentiell weniger Gewinn in den Kassen der Konzerne, dafür aber geringere Ausgaben für den Verbraucher.
Die Dimension der Mehrkosten könnte laut EU-Kommissar Oettinger bei 1-2 Cent/kWh liegen; eine durchaus bezahlbare Größenordnung, welche durch den geringeren Verbrauch oder einen Anbieterwechsel auch (über-) kompensiert werden könnte. Es lohnt sich also vor allem jetzt ein durchaus kritischer Blick auf all die Zahlen, die durch die Medien geistern.

Im Zuge dieser gigantischen Umstellung unserer Energieversorgung darf nicht bei jeder (Bau-) Maßnahme lokal blockiert werden - auch von grünen Organisationen nicht! Ich selbst bin sehr grün eingestellt, wäge aber durchaus ab, ob lokale Nachteile für die globalen Vorteile in Kauf genommen werden sollen. Der Umstieg - das muss ganz klar gesagt werden - hat wie alles zwei Seiten. Durch die zwingend notwendige Dezentralisierung werden nicht relativ wenige Menschen wie bisher in der Nähe einer Großanlage wohnen. Es wird in fast jedem kleinen Dorf zum Beispiel Biogasanlagen geben, die die - und nur die - Reste der Nutzpflanzen zu Strom und Wärme umsetzen können und durch die Nähe zum Verbraucher auch nur deshalb so effizient arbeiten können. Die Bevölkerung hat es also sehr weit selbst in der Hand, wie schnell die AKWs verschwinden und wir endlich Umwelt-neutral leben werden können!



Infrastruktur

Strom speichern ist quasi nicht möglich. Man kann die Energie sinnvoll nur in eine andere Art umwandeln. Die aktuell bevorzugte Variante ist dabei das Pumpspeicherkraftwert. Dabei, wie auch bei den meisten anderen, realistischen "Speicherformen" (die aktuell untersucht werden), ist neben den verfügbaren Kapazitäten die Effizienz das Hauptproblem. Bei der Kapazität gibt es in naher Zukunft eine deutliche Ausweitung, da im Zuge der zwingend notwendigen, besseren Europäischen Koordinierung des Stromnetzes Norwegen zur "Batterie" Europas wird. Das privat finanzierte Projekt "NorGer" verbindet Deutschland mit Norwegen mit einem Seekabel, welches 1,4GW an elektrischer Leistung transportieren kann (die Antragsunterlagen zum Raumordnungsverfahren kann man zum Beispiel hier finden). Dies entspricht der Leistung eines AKW Blocks wie zum Beispiel Isar 2. Dieser Strom wird im zerklüfteten Norwegen dann in Pumpspeicherkraftwerken gespeichert. Norwegen selbst hat auf dem Gebiet sehr viel Erfahrung - die Stromversorgung ist zu circa 98% regenerativ aus Wasserkraft! Die Niederlande haben eine solche Leitung mit halber Kapazität schon. Ein weiterer Mosaikstein beim Umstieg.
Um das Problem zu entschärfen, muss also entweder Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt werden (was auch bedeutet, dass Strom nicht mehr "einfach aus der Steckdose kommt", oder aber ein Aufschlag auf den Strompreis gezahlt werden muss) oder es müssen andere, bessere Speicher entwickelt werden. Welche das sein werden, das wird sich wohl in den nächsten 10 Jahren herauskristallisieren. Eine mögliche Variante wären Techniken, wie sie im Andasol-Sonnenkraftwerk in Spanien praktiziert werden. Dort wird flüssiges Salz unter Tags erhitzt, um nach Sonnenuntergang Strom für weitere 6 Stunden am Abend liefern zu können. Damit kann sogar das relativ "nachtaktive" Leben der Spanier aufrechterhalten werden, auch wenn die Sonne nicht mehr scheint. Damit können Schwankungen im Stundenbereich gepuffert werden. Für längere Zeiten muss man andere Formen finden - die chemische Speicherung von Strom in Methan zum Beispiel.

Doch es gibt nicht nur das Problem der Speicherung, auch Impedanz-Effekte im Stromnetz müssen von den neuen Stromerzeugern abgefangen werden können: die Kompensation der sogenannten Blindleistung. Diese Aufgabe wird bisher von großen Kraftwerken übernommen. Doch auch hier scheint es Lösungen des Problem zu geben, welches ein Argument weniger für große, konventionelle Anlagen ist. Ohne sie, hieß es, sei die Netzstabilität nicht gewährleistet. Aber auch hier gibt es Lösungen.

Smart Meter werden kommen müssen, um Sekunden-aktuell Angebot und Nachfrage möglichst gut zur Deckung bringen zu können. Auch damit können die benötigten Strom-Speicher-Kapazitäten kleiner gehalten werden. So wie die Smart Meter allerdings momentan angelegt sind, können sie meiner Ansicht nach nur floppen. Da sie technisch zwingend kontinuierlich mit dem Internet/Stromanbieter verbunden sind, sind höchst sensible Sicherheitssysteme nötig, alles muss so transparent wie möglich sein und eine Rückverfolgbarkeit von einzelner Haushalte hinsichtlich ihres Stromverbrauchs muss technisch unterbunden werden. Sonst sehe ich keine schnelle Einführung allein schon aufgrund datenschutzrechtlicher Bedenken. Eine mögliche Variante wäre, dass die Geräte Sekunden genaue Tarife vom Stromanbieter beziehen, aktualisieren und anzeigen, sie aber nur intern auswerten und eine Zusammenfassung des Verbrauchs zur Abrechnung an den Anbieter übermitteln. Durch diese Asymmetrie wäre der Zweck der genauen Abrechnung möglich, ein Rückschluss auf den exakten Zeitpunkt des Verbrauchs jedoch unterbunden. Die Messung der aktuell benötigten Energiemenge muss nicht auf Haushaltsebene passieren, sondern kann auch auf Straßenzug- oder Stadtteilebene geschehen. Dazu könnten Spannungs-/Leistungsmesser in Verteilern den Zweck genauso erfüllen, allerdings ließe sich nicht auf Einzelne zurückschließen, da der Verbrauch über die Straße bzw. Stadtteil gemittelt würde.
In diese Umstellung muss der Verbraucher allerdings einbezogen werden und der Prozess muss absolut transparent ablaufen - sonst wird dieses wichtige Instrument boykottiert werden. Ebenso müssen auch passende Stromtarife angeboten werden, sonst fehlt dem Smart Meter seine eigentliche Steuerfunktion.

Nicht zuletzt muss auch die Leitungsinfrastruktur an die wechselnden Belastungen angepasst werden. Da der Strom örtlich nicht mehr so nahe an den (Groß-) Verbrauchern erzeugt werden wird, wie es bisher zum Beispiel mit den AKWs der Fall ist, müssen größere Strommengen über große Distanzen transportiert werden. Windparks am Meer werden den Strom erzeugen, der vermehrt im Süden benötigt wird. Diesbezüglich gibt es Hochrechnungen, die aber wieder mit Vorsicht zu genießen sind. Eine derart riesige Umstellung lässt sich nicht punktgenau vorhersagen - der Fehlerbereich ist entsprechend groß. Diese Tatsache wird aber zum Teil dadurch kompensiert, dass es viele kleine, dezentrale Stromerzeuger geben wird/muss, wodurch ein Gutteil des Strombedarf direkt lokal gedeckt werden kann.
Was allerdings unumstritten ist, ist dass neue Stromleitungen gebaut werden müssen - umstritten ist wie viele Kilometer. Der Ausbau unseres Stromnetzes wurde lange Zeit vernachlässigt. Da diese zwangsläufig durch bewohntes Land führen werden ist auch klar, dass diese Maßnahmen Anwohner betreffen werden. Diese Menschen müssen wiederum erstens in die Planungen ernsthaft einbezogen und nicht als lästige Störer behandelt werden und zweitens müssen die Maßnahmen transparenter gestaltet werden, damit man als Betroffener überhaupt die Möglichkeit hat, sich dabei sinnvoll einzubringen. Allerdings müssen sich auch die Menschen selbst an der Nase fassen und sinnvolle Maßnahmen konstruktiv begleiten. Sinnloses Mauern gegenüber Allem und Jedem ist ebenso fehl am Platz.



Wettbewerb & Wirtschaftlichkeit

Von einem richtigen Wettbewerb auf dem Strommarkt kann man in Deutschland nicht sprechen. Laut den aktuellen Untersuchungen der Energie-Aufsicht haben die 4 großen Stromanbieter "Anreiz und Möglichkeit", die Preise zu manipulieren. Lange stillstehende Kraftwerke und Abschalten zu Hochbedarfzeiten "aus technischen Gründen" stützen die These auf Preisabsprachen, auch wenn sie (aktuell?) nicht nachweisbar sind - zu viele Daten fehlten beziehungsweise war der Zugriff darauf nicht möglich. Es besteht also der Verdacht, dass die 4 zu Stoßzeiten Strom zurückhalten, um höhere Preise zu erzielen. Doch auch so denke ich mir persönlich meinen Teil, wenn 4 Anbieter über 80% des Marktes kontrollieren. Durch die Laufzeitverlängerung wurde/wird zusätzlich die Chance vertan, bis zu 25% Anteil am Strommarkt neu zu vergeben, also die Marktmacht der 4 zu schwächen, was gerade hinsichtlich eines echten Wettbewerbs hinsichtlich Strompreis und Umstieg auf Regenerative Energien so dringend nötig wäre.

Auch wenn die Politik jetzt (oberflächlich?) eilig versucht, den Umstieg zu ermöglichen, bleiben alte Strukturen doch sichtbar. Schon wenige Tage nach dem Mehrheitswechsel in Baden-Württemberg beginnt ein Machtkampf um den Umbau von EnBW. Dabei soll verhindert werden, dass EnBW grüner wird. Zugegeben, der Umbau wird finanziell wohl schwierig werden - doch wer steckt als treibende Kraft dahinter? Der Zweckverband OEW, der von CDU und Freien Wählern dominiert wird und ebenso wie das Land 45% der Aktien hält. Wie kann man nur so verbissen und "dagegen" sein (was von der Union ihrerseits den Grünen vorgeworfen wird), um auf Länderebene einen Umbau zu blockieren, der auf Bundesebene längst eingeläutet ist (scheint?)? Welche Interessen stecken in diesem Fall dahinter? Könnten es Kursverluste oder der Unmut über den Machtverlust und die Oppositionsbank sein? Solange nicht mit offenen Karten gespielt wird und vielleicht sogar "Filz" im Spiel ist, bleibt der Umstieg schwierig und verzögert sich unnötigerweise. Doch vielleicht hat die Sache auch ihr Gutes.


Was können wir für Schlüsse für die wirtschaftliche Entwicklung aus Japan ziehen? Die finanziellen Folgen für das Erdbeben werden momentan auf ca. 250 Mrd. Euro geschätzt. Die Folgen aus Fukushima sind wohl in der selben Größenordnung, was für Japan eine noch verheerendere Situation bedeutet. Dann ist aber erst "aufgeräumt" beziehungsweise der Reaktor wie in Tschernobyl vielleicht für die nächsten 20-30 Jahre in einem Sarkophag vergraben. Doch damit ist noch nichts in Richtung unvermeidbarem Umstieg auf Regenerative Energieversorgung getan, das heißt die geschätzten 200 Mrd. Euro für eine Umstellung kommen da immer noch dazu! Ich finde neben den tragischen Personenschäden und Umweltfolgen auch die potentiellen wirtschaftlichen Folgen viel zu groß, um das Risiko eingehen zu wollen. Denn so eine Katastrophe kann auch die Wirtschaft eines Landes einbrechen lassen und dann sinkt der "Wohlstand" aller. Somit ist der Verbleib in der Kernkraft nicht die Rettung für unseren (zukünftigen) Wohlstand sondern wahrscheinlich einer der größten Feinde. Es werden deshalb bei einem Unfall auch all diejenigen darunter leiden, die nicht direkt körperlich durch die Unfallfolgen betroffen sind. Ist ja auch kein Wunder, wenn soviel Geld in einer Ruine gebunden wird.
Genau das sieht man jetzt in Japan. So wie es momentan aussieht, soll Tepco verstaatlicht werden - so wie manche Banken während der Finanzkrise. Der größte Energieversorger Japans und einer der größten auf der Welt wird die Folgen durch Schadensersatzzahlungen und so weiter nicht stemmen können und würde sehr wahrscheinlich pleite gehen. Doch die Regierung kann sich das nicht leisten und wird sich Tepco einverleiben. Doch was heißt das? Die Kosten des Unfalls werden sozialisiert, obwohl jahrelang Gewinne eingefahren wurden, ohne entsprechende Rücklagen zu bilden. Doch das hätte den Atomstrom teurer gemacht - so teuer, wie er sein müsste, um die Kosten für Schäden abzudecken, die durch das "bisher undenkbare Restrisiko" entstehen.

Und was wäre bei AKW Unfall in Deutschland? Die vorgeschriebene Deckungsvorsorge liegt bei 2,5 Mrd. Euro. Ein lächerlicher Betrag, wenn man die Schäden in Japan ansieht! Eine Anhebung um zwei Größenordnungen wäre nötig. Doch damit wäre bei privatwirtschaftlicher Deckung (Haftpflichtversicherung) der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich, weshalb aktuell für Schäden über 2,5 Mrd. wiedermal der Staat - also wir - einspringt. Wenn alles so sicher wäre, dann könnten die Versicherungen mit den AKW-Betreibern den großen Reibach machen - Prämien kassieren und nie zahlen müssen. Doch beim zahlen müssen - anders gesagt: dem Risiko eines Unfalls - scheint die Situation doch nicht so klar zu sein.
Die Risiken aus der Kernkraft sind auch für den Bürger nicht versicherbar. Keine Versicherung bietet diese Möglichkeit. Bei einem Vorfall wie in Japan wären nicht mal die Kosten durch Kontamination um den Reaktor herum versicherbar! Da erklärt mir mal einer, warum dann die Regierung "Vorrang für Sicherheit" propagiert?! Für mich steht hier klar die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, auch wenn das Gegenteil behauptet wird. Denn dann wäre die Aussage vom "billigen Atomstrom" so nicht zu halten. Dem Verbraucher wird durch die "implizite Subvention" wiedermal vorgegaukelt, Atomstrom wäre anscheinend so viel billiger. Dabei kostet der aktuelle Neubau eines AKW in Frankreich den Steuerzahler bisher schon 5 Mrd. Euro. Dass diese Zahl nach oben korrigiert werden muss ist wohl ziemlich sicher...

Mit der Berufung von Herrn Henneberg scheint meine Meinung durchaus bestätigt! Der ehemalige Atom-Lobbyist, der die Untersuchungen zur Reaktorsicherheit leiten soll, fiel früher mit deutlichen Aussagen auf: "Maßgeblich sind vom Betreiber darzulegende betriebswirtschaftliche Gründe. Sicherheitsfragen sind hingegen nicht maßgeblich" - eine unfassbare Brüskierung der Bevölkerung wie ich finde!
Sollten die Untersuchungen im Zuge des Moratoriums diesmal wirklich "ergebnisoffen" geschehen? Die Zusammensetzung der Reaktorsicherheitskommision scheint einigermaßen ausgewogen zu sein - auch mit Vertretern von Eon und Areva. Das lässt durchaus hoffen, allerdings beraten sie die Regierung auch nur, mal sehen was dabei herauskommt. Die Atombefürworter haben aber anscheinend so viel Angst vor den Ergebnissen, dass sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, sich "einzubringen", um es mal zurückhaltend auszudrücken. Auch die Opposition bemängelt, dass die aktuelle Hektik wohl nichts Neues ergeben wird, da schon länger bekannt ist, welche Schwächen die Meiler haben. Frau Merkel muss jetzt über die 3 Monate des Moratoriums hinaus Farbe bekennen. Sie hätte dabei mit der Opposition eine gemeinsame Linie finden können, was hat sie leider versäumt hat.

Die potentiellen Arbeitslosen, die es angeblich durch den Ausstieg geben wird und andere Argumente, die von Kernkraftbefürwortern vorgebracht werden, sind meines Erachtens reines Säbelrasseln, da mit den vielen dezentralen, regenerativen Anlagen viel mehr qualifiziertes Personal benötigt wird (Wartung, Aufbau, Umrüstung usw.), als in den wenigen Großanlagen verloren gehen. Dort werden oft sogar "Wanderarbeiter" eingesetzt, sodass offensichtlich noch weniger Arbeitsplätze in Gefahr sind. Dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob es dabei wirklich um die Beschäftigten geht. Könnte auch gut sein, dass sie für die Erhaltung des status quo und damit der Machterhaltung herhalten müssen.

Ich persönlich kann gut auf umfassenden Technologievorsprung in einer Branche verzichten, der wahrscheinlich sowieso in ca. 60 Jahren der Brennstoff ausgeht. Lieber bauen wir den Vorsprung bei den Regenerativen Energien aus - der einzigen zukunftsträchtigen Energiebranche!



Die Zukunft

Wohin soll oder wird sich also unsere Energieversorgung entwickeln? Es geht kein Weg am Umstieg auf Erneuerbare Energien vorbei. Alle konventionellen Energieträger sind endlich und werden in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen oder astronomisch teuer werden. Alleine durch das Wissen über bekannte Vorkommen von Uran lässt sich (mit durchaus großen Fehlern) hochrechnen, dass wohl in den nächsten 40-60 Jahren die Uranvorräte zur Neige gehen werden. Sollte die Anzahl der AKWs auf der Erde wirklich von etwa 400 auf 1'000 aufgestockt werden wie es ehrgeizige Atom-Optimisten fordern, wäre die Reichweite entsprechend geringer. Dabei stelle ich mir die Frage, wer in ein Kernkraftwerk investiert, das mindestens 40 Jahre laufen soll, wo aber jetzt schon sehr zweifelhaft ist, ob das (konventionelle) Brennmaterial überhaupt über die gesamte Laufzeit ausreicht. Aussagen von der "Renaissance der Kernkraft" sind nicht nur deshalb einfach falsch - die Anzahl der AKWs weltweit stagniert. Einen sehr guten Überblick darüber bringt Ranga Yogeshwar in Quarks & Co. Zusätzlich hat die Atombranche immer mehr Probleme, Nachwuchs an Atomtechnikern und Fachpersonal zu bekommen um die ausscheidenden Mitarbeiter zu ersetzen. Doch ohne sie lassen sich die Meiler nicht mehr betreiben oder es müssen Kräfte von woanders geholt und umgeschult werden. Für mich kein beruhigendes Szenario, wenn diese höchst komplexen Anlagen nicht durch langjährig und intensiv geschultes Personal bedient werden.

Eine ganz andere Frage ist die nach der Herkunft des Urans. Genauso wie bei anderen Rohstoffen geht unser Energiehunger auf Kosten der Einheimischen und der dortigen Natur. Da in den Ländern mit Rohstoffvorkommen oftmals der Schutz von Mensch und Natur quasi nicht vorhanden ist, machen wir uns mittelbar mitschuldig. Der Uranabbau belastet vor allem die lokalen Ureinwohner und deren Land.

Grüne Energie (Photovoltaik) ist kurz vor dem Punkt, an dem sie ebenso billig oder teuer ist wie konventionelle Energie. Man könnte in Deutschland sogar 9 AKWs anscheinend sofort abschalten, ohne dass der Strom merklich teurer werden müsste!
Die Bundesregierung hat eine Studie zur zukünftigen Versorgung in Deutschland in Auftrag gegeben. Sogar die Experten der Bundesregierung widersprechen der Kanzlerin darin und stellen deren Energiekonzept in Frage. Ihre 680 Seiten starke Studie sagt aus, dass in Deutschland 100% Versorgung zumindest beim Strom (Expertenrat) bzw. Vollversorgung inkl. Mobilität (Umweltbundesamt) aus Regenerativen Quellen möglich ist. Beiden gemein ist die Ablehnung von Kohle- und Atomverstromung als Brückentechnologie. Klarer kann die Kritik fast nicht ausfallen! Auch Herr Röttgen sagt, "wir können aber schneller aussteigen als bisher geplant". Die einzige Brückentechnik sind meiner Meinung nach Kombikraftwerke, da sie dezentral neben Strom auch Fernwärme liefern können. Diese Kraftwerke werden meist von Stadtwerken betrieben, arbeiten höchst effizient (Gaskraftwerke mit einem Wirkungsgrad bis etwa 88%), müssen aber aktuell oft genug wegen AKWs vom Netz, da sie flexibler sind und der Atomstrom oft "billiger" ist. Dabei wäre ihre Flexibilität ein riesen Vorteil, um die Fluktuationen von Wind und Sonne auszugleichen. Ein weiterer Mosaikstein also, um die Netzschwankungen zu glätten. Dies könnte auch sehr lokal geschehen, wenn es viele kleine dieser Kraftwerke gäbe.
Zu genau dem gleichen Schluss kommt Greenpeace in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik. Sie haben eine realistische Untersuchung vorgelegt, das einen quantitativ berechnet Leitfaden zum kompletten Ausstieg enthält (Kernenergie: 2015, konventionelle Kraftwerke: 2050). Und die Kosten halten sich darin durchaus in Grenzen. Der BUND spricht in einem Thesenpapier sogar davon, dass Deutschland bis 2014 aus der Kernenergie aussteigen könnte.


Die grundlegende Frage ist also nicht Wie, sondern Ob. Wenn man sich wirklich für den Umstieg entschieden hat und ihn ernsthaft verfolgt, dann sind alle weiteren Entscheidungen - also das Wie - in diesem Licht zu sehen. Doch die Art von Argumentation, die die Befürworter der Atomkraft verfolgen, ist vom Wie geprägt. Sie wollen die Meiler am Netz lassen, haben also offensichtlich die grundlegende 1. Frage mit "nein" beantwortet. Denn die Frage nach dem Wie kann meiner Meinung nach erst nach dem Ob gestellt werden!

Wenn man die aktuelle "Erdölphase" der Menschheit nimmt (wie es von Prof. Leo bei einem Vortrag der DPG Frühjahrstagung 2011 so schön dargestellt wurde) und die Zeitachse über ein paar tausend Jahre einmal etwas großzügiger betrachtet, dann nimmt der Erdölverbrauch die Gestalt einer Deltafunktion an. Das heißt, die Basis unserer Energieerzeugung "Erdöl" ist nichts anderes als ein punktuelles Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Somit ist auch klar, dass sie wieder enden wird. Und je schneller wir das akzeptieren und uns auf der Suche nach Alternativen machen, desto eher können wir Spätfolgen dieses energetischen und klimatischen Großexperiments wenn schon nicht verhindern, so doch eindämmen!

Was wird mit den AKWs passieren, wenn sie nicht mehr gebraucht werden? Der Rückbau dauert leicht mindestens 10 Jahre und dabei fällt ein riesen Berg an strahlendem Müll an. Der Vergleich mit Windrädern ist deshalb beispielhaft plakativ: Ihr Rückbau dauert ca. eine Woche und auch der (nicht-strahlende!) Müll hält sich in Grenzen. Beim Betrieb ist es ähnlich: Bei Windrädern würde ich von einem Risiko für (Personen-) Schäden in der Größenordnung von vergleichbaren, schon vorhandenen Industrieanlagen ausgehen.



Fazit
Meine Einschätzung ist von der Hoffnung auf schnellen Ausstieg als Ideal geleitet, auch wenn es Aussagen gibt, nach denen das sehr bald möglich sein wird. Jedoch bin ich als Physiker soweit Realist, dass noch einige Dinge im Laufe etwa einer Generation ( also 20-30 Jahre) passieren müssen, damit wir vollständig auf Erneuerbare Energien umsteigen können. Dabei müssen auch die unvermeidlichen negativen Auswirkungen klar auf den Tisch gelegt werden. Alles hat zwei Seiten. Doch im Grunde geht es um das Abwägen der verschiedenen Risiken. Ich persönlich finde das Risiko durch die Kernkraft und auch den CO2-Ausstoß für Mensch und Umwelt viel zu hoch, als das ich es länger als unbedingt nötig eingehen möchte.

Man sollte die wirtschaftliche Seite nicht außen vor lassen. Quasi alle diesbezüglichen Entscheidungen hängen mehr oder weniger vom BIP ab. Diese (finale) Maßzahl der Wirtschaft soll abbilden, ob unsere Wirtschaftsleistung - also auch Wohlstand - steigt. Doch in diese Zahl gehen zum Beispiel keine Umweltfolgen oder das Wohlbefinden der Bevölkerung ein. Was nutzt es mir, wenn ich mehr verdiene, dafür aber unmäßig mehr Stress oder eine wenig lebenswerte Umwelt habe? Kann dieser Index so überhaupt Sinn machen? Der Genuine Progress Indicator ist der Versuch, diese Einflüsse mit abzubilden. Ich bin nicht besonders überrascht, dass dieser Index für die USA und die Europäischen Länder über die letzten 30 Jahre kontinuierlich fällt! Wir sollten viel kritischer mit diesen Statistiken sein, die durch einen entsprechenden Blickwinkel aus einer Abnahme einen Anstieg machen (können) und über uns so weitreichend bestimmen. Da diese Statistiken offensichtlich nicht alle relevanten Bereiche passend abbilden, entsteht ein verzerrtes Bild der "Realität". Und genau dieser Realität - "Wachstum" ohne Rücksicht auf Mensch und Natur - scheinen wir, getrieben durch diese Zahlen, nach zu eifern. In diesem Licht sind auch die negativen Folgen, vor denen so stark von Atom-Befürwortern gewarnt wird, in Realität wahrscheinlich eine Verbesserung. Es ist ja durchaus realistisch, wenn man den Genuine Progress Indicator betrachtet, dass die Sache ganz anders aussieht.
Warum wird diese Diskussion überhaupt so wirtschaftlich dominiert? Wie viele Menschen geben unmengen von Geld für teure Autos aus - aus Prestigegründen. Da fragt dann keiner nach der Wirtschaftlichkeit. Bei den Regenerativen Energien sind es Investitionen in die Zukunft! Ich persönlich würde - wenn ich müsste - mit einer autarken Energieversorgung meines Hauses/Wohnung protzen und nicht mit einem Auto...

Jeder Einzelne kann also seinen Teil dazu beitragen, dass Bewegung in diese Vorhaben kommt. Dies wird viele Bereiche des Lebens betreffen - neben dem Wohnen auch die Mobilität. Nicht alle werden das begrüßen, jedoch kann schon jetzt quasi jeder zum Beispiel mit einem Wechsel des Stromanbieters Geld sparen! (Vorsicht allerdings vor zweifelhaften Stromanbietern, denn überall, wo viel Geld zu verdienen ist, also gerade auch bei dem aktuellen Boom, werden schwarze Schafe angezogen. Doch es gibt auch viele seriöse Anbieter - man muss sie nur finden.) Man kann sich als Bürger sinnvoll in lokale Projekte einbringen, damit die Revolution in der Energieversorgung nicht nur von oben, sondern auch von unten den nötigen Schwung bekommt. Es kann sich auch jeder selbst fragen, ob er seine persönliche Mobilität anders - umwelt- und energiefreundlicher - gestalten kann. Wie wär's mit dem guten alten Fahrrad - gerne auch als E-Fahrrad?! Eigenverantwortung und Verantwortung für die Gesellschaft ist auch hier sehr stark gefragt!



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