E10 beherrscht(e) die Medien: man weiß nicht, ob es das Auto kaputt macht sagen die Einen, hilft der Umwelt sagen die Anderen. Ich behaupte: beides stimmt sehr wahrscheinlich nicht! Warum ich das glaube?


Warum E10 wohl dem Auto nicht schadet.
Die großen Autohersteller verkaufen wohl alle auch in Brasilien ihre Autos - man denke nur an den x-millionsten VW Käfer, der dort vom Band lief. In Brasilien wird aber schon seit Jahren mit Ethanol gefahren. Und da reden wir nicht von 5 oder 10 Prozent, sondern 20 bis 25 Prozent! Weiter gibt es sog. Flexi-Fuel Fahrzeuge, die von "reinem" Benzin über beliebige Mischverhältnisse bis zu mehr oder weniger reines Ethanol vertragen (mind. E85)! In Schweden haben Saab und Volvo damit Erfahrung. Ich verstehe also nicht, warum die Hersteller in Deutschland keine Aussage treffen können, ob die Autos E10 vertragen. Mir stellt sich eher die Frage, warum sie sich nicht klar äußern - sie wollen wohl nicht. Aber warum tun sie es dann nicht? Welche Strategie verfolgen sie?

Warum E10 der Umwelt sehr wahrscheinlich und den Armen der Welt sicher schadet.
Für uns ein Alibi, für Arme ein Desaster. So lassen sich die Effekte von Ethanol im Tank wohl am besten beschreiben. Aber sehen wir uns das Gefüge, in das wir eingreifen, genauer an:

E10 soll der Umwelt helfen.

Um die Pflanzen als Sprit verwenden zu können, müssen sie erst angebaut werden. Es werden nicht Pflanzenreste verwendet, die sowieso anfallen, sondern es werden explizit Flächen ausschließlich dafür verwendet. Es wird also konventioneller Diesel verwendet, um Pflanzen anzubauen, die Energie liefern sollen. Das impliziert, dass CO2 in mehr oder weniger großer Menge emittiert, um den Boden überhaupt zu bewirtschaften. Weiter werden bei den benötigten Flächen in riesigen Monokulturen bewirtschaftet - mit den entsprechenden Folgen. Aus diesem Grund ist ein sehr hoher Aufwand an Düngung und Schädlingsbekämpfung zu leisten, was u.a. das  Treibhausgas Lachgas freisetzt, welches 298-fach so aktiv ist wie CO2. Und auch die Verarbeitung der Vorprodukte führt zur Emission von CO2. Da Bioethanol unverständlicherweise als aktueller Heilsbringer  gesehen wird, verbraucht auch der weltweite Transport  zusätzlich Energie. Der Nettogewinn an Treibstoff ist also sehr mäßig - falls sich nicht, alle (!!) Effekte eingerechnet, sogar ein negatives Saldo ergibt! Somit ist klar, dass dies keine langfristige Lösung sein kann.

Ethanol wird die Umwelt nicht belasten.
Es wurde ein Verbot ausgesprochen ("Nachhaltigkeitsverordnung"), dass für Bioethanolanbau z.B. keine Regenwaldflächen benutzt werden dürfen. Doch was passiert (und lässt sich auch so nicht verhindern)? In Brasilien, dem zweitgrößten Ethanolexporteur nach den USA, wird das Zuckerrohr im Süden angebaut und die dort verdrängten Anbauflächen weichen in den Norden aus und der Regenwald leidet. Mittelbar wird also doch genau das passieren. Und verhindern lässt sich das nicht! Das hat auch die Bundesregierung zugegeben. Also ist auch klar, dass Ethanol im Tank die Umwelt nicht entlasten wird, solange kohlenstoffhaltige Flüssigkeiten im Motor verbrannt werden.

Ausgeblendetes Thema: Was wir tanken, brauchen andere zum nackten Überleben!
Die 1. Welt beschreitet meiner Ansicht nach einen sozial äußerst kritischen Weg. Um unseren Luxus noch weiter zu steigern, verbrennen wir Grundnahrungsmittel in unseren Motoren, die viele zehn oder hundert Millionen von Menschen als Grundnahrungsmittel benötigen würden. Außerdem möchte ich jeden Leser selbst bitten sich die Frage zu beantworten, welche Reaktionen das bei den Menschen in den betroffenen Regionen auslösen könnte...
Wir versuchen der Umwelt zu helfen und das Einzige, das uns einfällt ist anderen Menschen die Überlebensgrundlage zu rauben! Die Nahrungsmittelreserven waren im Jahr 2009 auf einen historischen nTiefstand gefallen - das senkt nicht unbedingt die Preise. Gleichzeitig treiben wir eben diesen Preis in die Nähe von Erdöl - also ein zig-faches von dem, was sich viele Menschen auf der Welt leisten können! Und wo sich viel Geld verdienen lässt, ist auch die Finanzbranche nicht weit.
Wie arrogant wollen wir uns noch verhalten? Und da wollen wir uns noch wundern, wenn (fast) alle Welt versucht, nach Europa zu kommen? Peinlich.


Was wir brauchen!
Wir können nicht so weiter machen wie bisher (können schon, ok - aber dann müssen wir mit entsprechenden Folgen leben!). Wir müssen endlich umdenken! Wir müssen unsere Mobilität anders gestalten. Wir können nicht glauben, wir schütten andere Flüssigkeiten ins Auto und alles passt! Wir brauchen leichtere, langsamere, sparsamere Fahrzeuge, die am besten mit Strom fahren, der vollständig aus regenerativen Quellen stammt! Es muss allen klar gemacht werden, dass eine Verhaltensänderung unvermeidbar ist! Das darf allerdings nicht mit einer "Verschlechterung" der Lebensqualität gleichgesetzt werden - es muss anders werden! Konzepte dafür gibt es dafür mehr als genug - man muss nur die Augen aufmachen.
Keine Alibi-Aktionen mehr! nMit der E10-Geschichte soll der Bioanteil am Erdölverbrauch um 1 (in Worten: "einen") Prozentpunkt gehoben werden - von 5,5 auf 6,5%. Meiner Meinung nach lächerlich. Aber warum wird dieser Weg beschritten? Wem nützt es also?

Wir brauchen klare Richtlinien für eine konsequente Umstellung. Die wird vielen nicht schmecken. Vor allem denen, die jetzt massig Geld verdienen - wie z.B. die großen Autokonzerne. Diese haben es natürlich leichter, wenn sie ihre aktuelle Technik - leicht verbessert - weiter verkaufen können. Eine (sowieso unumgängliche) Umstellung der Technik kostet Geld und muss auch den Verbrauchern schmackhaft gemacht werden. Eine Beeinflussung der Politik durch die Wirtschaft zugunsten solcher Entscheidungen ist natürlich ausgeschlossen, oder?! Die Rechnung kassiert aber wie so oft die Allgemeinheit - also der Steuerzahler! Aber genau deshalb gäbe es eigentlich die Politik: Um eine Richtung vorzugeben, die sinnvoll ist und nicht, um Einzelne zu bevorzugen. Und bei den Summen, die in den Bereich in Zukunft investiert werden sollen, haben wir wohl nicht mit einem Verlust von Arbeitsplätzen, sondern im schlimmsten Fall mit einer Umverlagerung, im besten Fall mit einem Gewinn an Jobs zu rechnen! Nur so nebenbei: Die von der EU geforderte Quote an Bioanteil hat Deutschland schon jetzt erfüllt. Die nächsten paar Jahre hätte der Ethanolanteil nicht erhöht werden müssen...


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