Laserdrucker von Kyocera sind aufgrund ihrer geringen Druckkosten und der auf viele Seiten ausgelegten Belichtereinheit auch für Privatanwender sehr interessant. Auf dem Markt für gebrauchte Geräte kann man oft auch Profigeräte zu einem relativ günstigen Preis mit guter Ausstattung bekommen. Sehr ärgerlich, falls sich doch mal ein Problem mit den Geräten ergibt. Eine Lösung für das fehlerhafte Einziehen von Papier möchte ich im Folgenden erläutern.

Mein Druckaufkommen ist unregelmäßig mit längeren Pausen, sodass ein Tintenstrahldrucker einen Gutteil der Tinte mit Reinigen verbrauchen würde. Meine Wahl fiel deshalb auf einen Schwarz-Weiß-Laserdrucker der Firma Kyocera für etwa 100€ (FS-1000+) zuzüglich einer Netzwerkkarte für weitere 25€. Der Vorteil an diesen Geräten ist die hohe Laufleistung der teuren Teile, wie zum Beispiel der Belichtereinheit, welche meist auf 250'000 Seiten ausgelegt ist und somit in meiner Anwendungszeit nicht gewechselt werden muss. Bei vielen der aktuellen, billigen Laserdrucker mit Preisen um die 100€, ist das oft der Fall, was die Folgekosten hoch treibt. In diesem Preissegment geht der Trend in Richtung Tintenstrahldrucker, wo die Drucker selbst teils spottbillig sind, die Toner- und Verschleißteilkosten allerdings immens. Diesen Trend finde ich nicht nur aus Gründen der Müllvermeidung absolut untragbar.

Position der elektro-mechanischen Schalter von außen gesehen.

Im unteren Preissegment sind die Drucker der FS-1000er Serie weit verbreitet. Leider scheint das Problem mit einem fehlerhaften Papiereinzug auch häufig aufzutreten. Doch die Lösung des Problems ist meist so einfach, dass das Entsorgen des eigentlich sehr langlebigen Druckers eine Schande wäre. Über einen Forumseintrag bei mikrocontroller.net bin ich auf die Lösung gestoßen: Mechanische Dämpfer aus Moosgummi, welche die Bewegung der Magnetschalter begrenzen und deren Eingriffe in die Transportwalzen steuern, altern und werden klebrig. Daraus resultiert eine verzögerte Reaktion und der Papiertransport und der Druck sind nicht mehr synchron. Mit ein wenig Zeit und mäßigem Geschick hat man nach etwa einer Stunde wieder ein perfektes Druckbild und der Drucker ist - bei richtiger Wahl eines Ersatzdämpfers - leiser als zuvor. Also los!

Innenansicht auf eine der Steuerplatinen nach Abnehmen der rechten Blende des Drucker

Auf Abbildung 1 ist die Position der elektro-mechanischen Schalter von außen zu sehen. Sie befinden sich unter der, von vorne betrachtet, rechten Seite (siehe Pfeil). Um sie abzunehmen, öffnet man die obere Klappe (wo auch der Toner gewechselt wird) und schraubt die beiden großen Kreuzschlitzschrauben auf. Dann kann man die obere Abdeckung abnehmen. Als nächstes braucht man einen (mittel-)großen Schlitzschraubendreher, mit dem man die rechte Seitenblende vorsichtig entriegeln kann. Es befinden sich dazu auf der Innenseite einige Stellen, an denen man die Rasterpunkte lösen kann.

Hat man das geschafft, ergibt sich folgendes Bild. Im oberen Bereich kann man eine Platine erkennen, von denen einige Drähte weggehen. Sie dient der Steuerung der Schalter und weiteren Dingen. Darunter sieht man eine weiße Plastikblende und rechts daneben den Hauptantriebsmotor des Druckers. Die Details zum Innenleben lassen sich einem Dokument von Kyocera nachschlagen (Seite 69, Abschnitt 4-3 "Electrical Control System"). Da die Drucker der 1000er Serie ähnlich sind, kann man das Vorgehen meist übertragen. Ziel sind die als "clutch" bezeichneten Bauteile 8, 9 und 10. Um an sie heran zu kommen, muss man die Platine und die Plastikabdeckung abschrauben. Zu allererst sollten jedoch die Steckverbindungen links, oben und rechts (jeweils mit einem Pfeil gekennzeichnet) getrennt werden. Man erspart sich damit, alle weiteren Stecker der Unterseite lösen zu müssen. Bei dem langen Stecker rechts sollte man die nötige Vorsicht walten lassen, da er sich relativ schwer löst. Um etwas Aktionsradius zu gewinnen, holt man die Drähte aus ihren Halteklammern. Dann öffnet man die 3 Schrauben, welche die Platine fixieren und klappt sie nach unten weg. Weiter entfernt man die mit einer Schraube gehaltene Plastikabdeckung. Jetzt hat man freien Blick auf die 3 elektro-mechanischen Schalter.

Blick auf die elektro-mechanischen Schalter nach Entfernen aller Blenden und PlatinenNachdem die Stecker im vorigen Schritt schon getrennt wurden, muss nur noch jeweils eine Schraube gelöst werden, um die Schalter abzunehmen. Die mit den Federn verbundenen, L-förmigen Teile müssen nun vorsichtig abgenommen werden. Darauf sind die etwa 4 auf 10 mm großen Moosgummistücke aufgeklebt. Am einfachsten nimmt man nun ein Teppichmesser und schabt sowohl den Gummi, als auch den Kleber bestmöglich ab. Kleberreste kann man mit Wattestäbchen und Alkohol/Spiritus entfernen. Auch wenn die Funktion grundsätzlich nicht beeinträchtigt wäre, so sollte man das Klackern im Betrieb nicht unterschätzen, wenn man den Moosgummi nicht ersetzt. Ich habe bei mir selbstklebende Puffer aus weißem Schaumstoff zurecht geschnitten und aufgeklebt. Jetzt ist das Klacken quasi nicht mehr zu hören. Damit ist die Hauptarbeit geleistet. Zu guter letzt fehlt nur der Zusammenbau - Voilà!

Sollte jemand Bedenken haben, ob er die kleine Reperatur durchführen kann oder nicht, dann möchte ich auf die Qualität der Ausdrucke hinweisen. Denn mir hat der Drucker vorher überhaupt keinen Spaß mehr gemacht. Mehr als wegwerfen würde man ihn so und so nicht. Schlechter kann's also nicht werden. Deshalb kann ich nur jeden ermuntern, es zu versuchen. Man kann nur gewinnen. Dies gilt übrigens auch bei anderen Geräten in den meisten Fällen!

Dann kann ich nur viel Freude beim Basteln und dem wieder funktionstüchtigen Drucker wünschen und hoffe damit einen kleinen Teil gegen die wachsenden Müllberge beitragen zu können!

 

Update: Ich möchte mich bei einem meiner Leser für den Hinweis auf zwei sprachlich unklare Formulierungen bedanken!