Wer kennt das Problem nicht: Mit der stark steigenden Verbreitung von Smartphones und Tablets wird der klassische PC verdrängt. Damit ändert sich auch die Rolle des bisherigen, zentralen (und oft einzigen) Speicherorts für zum Beispiel Termine/Kalender und Kontakte/Adressbücher. Die große Frage, die sich stellt, lautet: Wie behalte ich trotz benötigter Synchronisation die Kontrolle über meine Daten?

Fast jede Softwarefirma bietet inzwischen eine eigene "Cloud" an, in der die Daten der Nutzer synchron gehalten werden (Google Drive, Ubuntu One, iCloud, Microsoft SkyDrive, etc.). Der Nachteil all dieser Lösungen (neben den durchaus vorhandenen Vorteilen, auf die hier nicht eingegangen werden soll) ist, dass man seine oftmals sehr persönlichen Daten einem Dritten anvertrauen muss. Nicht jedem Nutzer ist das geheuer. Deshalb möchte ich hier eine inzwischen sehr gute Alternative vorstellen: OwnCloud.

Der von mir vor einiger Zeit verfasste Blogeintrag zum Synchronisieren von Kalender und Kontakten ohne Google über Kolab ist der bisher meistgelesene Beitrag dieses Blogs. Es zeigt den anscheinend doch relativ hohen Bedarf an Alternativlösungen. Ich möchte deshalb eine Kombination vorstellen, mit der sich die oben beschriebene Aufgabe umfassend lösen lässt.

Ich habe auf Basis von OwnCloud meine eigene Cloud aufgesetzt (OwnCloud Demozugang hier), die auf einem 15 Watt Core i3-2100 hinter meinem DSL-Anschluss seinen Dienst verrichtet. OwnCloud kann hinsichtlich Funktionsumfang inzwischen durchaus mit Dropbox und Co. mithalten. Die integrierten Funktionen für Kalender und Adressbücher steigern die Nützlichkeit jedoch um ein Vielfaches. Über die Standardschnittstellen CalDAV und CardDAV, welche im WebDAV-Protokoll beschrieben sind, können Termine und Kontakte darüber synchronisiert werden. Neben mehreren möglichen Kalendern und Adressbüchern pro Nutzer können diese auch für den allgemeinen Zugriff freigegeben werden.

Viele Programme beherrschen inzwischen die *DAV-Protokolle, so zum Beispiel Thunderbird oder Kontact aus der KDE-Suite. Das ermöglicht den zentralen Zugriff darauf und ersetzt die Notwendigkeit, diese Daten an externe Dienstleister zu übertragen. Die Adresse, über der der Zugriff auf Kalender und Adressbücher möglich ist, kann man in den persönlichen Einstellungen von OwnCloud nachlesen.

Doch der PC ist nicht das einzige Gerät, auf dem man seine Termine und Kontakte haben möchte. Mindestens genauso wichtig sind inzwischen die mobilen Geräte. Dafür gibt es zwei Apps (für Android), welche die Synchronisierung über CalDAV und CardDAV nachrüsten (CalDAV-Sync und CardDAV-Sync). Sie arbeiten inzwischen so gut und binden sich nahtlos ins System ein, dass ich das erste Mal Geld für Apps ausgegeben habe (beide zusammen 4,44€)! Es werden, wie auch bei den PC-Programmen, alle zu einem Nutzer gehörenden Kalender und Adressbücher gefunden und auf Wunsch abgeglichen. Eine lange Liste an Einstellmöglichkeiten rundet den großen Funktionsumfang ab. Noch haben sie ein "Beta" im Namen stehen. Doch sie laufen jetzt schon ohne nennenswerte Probleme. Eine Kleinigkeit sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden: Um bei den Kontakten auf dem Smartphone alle Felder bearbeiten zu können, muss auf bestimmten Geräten der vom gleichen Entwickler stammende, kostenlose Kontakt-Editor installiert werden.

 

Mein Setup mit OwnCloud 4.0, Android 2.3.7 (CM 7) und Kontact 4.8.5 läuft seit einiger Zeit bei inzwischen drei Personen völlig problemlos. Daher kann ich eine Lösung auf Basis von OwnCloud nur weiterempfehlen!